I believe  that education and food are related to each other.

While eating, experience and knowledge can be exchanged. 

Therefore, it is my aim to involve food to my work.

Das kulinarische Hörbuch für Speckliebhaber

In this audiobook, I talk about bacon recipes that

 

I developed during the last years. My talking is accompanied by recipe cards with grocery lists and at the end of each spoken instruction someone eats the corresponding dish. 

 

To me, life defines itself by taste. A certain taste can evoke a certain feeling or memory.

Especially traveling is more interesting because of the unknown tastes. Personally, I have a distaste for eating noises but they clarify dishes and nationalities.

 


Wanderschinken

sometimes things start to have their own life. This beloved bacon sculpture is a good examlpe...

 

Im Februar 2017 fuhr ich mit dem Bus von Köln nach London und dann von London nach Norwich. Grund dafür war das Ausstellungsprojekt move your homeland - you leave, we welcome you!, organisiert von Julia R. Ich war mir nicht sicher, was ich dort überhaupt machen wollte, also nahm ich vorsichtshalber ein Stück Speck mit auf die Reise. Den Speck kaufte ich im Martinshof. Er wurde extra von der dicken Schwarte abgeschnitten. Daheim briet ich ihn kross von allen Seiten an und vakuumierte ihn schließlich. Dann machte ich mich auf die Reise. Ich wusste nicht genau, wie der Zoll wohl reagieren würde. In Zeiten von Brexit kann es sicherlich schwer sein, ein Stück Speck nach England zu schmuggeln. Wahrscheinlich genauso schwer, wie ohne Brexit. Schließlich müssen die Briten ihre Insel bewachen. Tatsächlich mussten alle Passagiere am französischen Zoll ihr Gepäck ausladen und scannen lassen. 50 Meter weiter, am englischen Zoll, mussten wir nur unsere Ausweise vorzeigen. Das Stück Speck in meinem Rucksack wurde nicht beanstandet. Schließlich kam der Speck in Norwich an. Dort hing er über die Dauer der Ausstellung in der Galerie Nunns Yard. Zur Vernissage führte ich eine kurze Konversation über die Bacon Sculpture mit einem der Gäste, dessen Tochter bald eine Performance a woman holding a liver in London aufführen würde. Schließlich ließ ich den Speck zurück, da ich früher abreisen musste. Mit Julia R vereinbarte ich vorher aber noch, dass sie ihn ruhig essen solle. Gerne zur Finissage.

 

Als die Ausstellung move your homeland – you leave we welcome you! II im Mai 2017 nach Saarbrücken kam, traf ich den Speck wieder. Er war, dank Christian R., zwischenzeitlich in Hamburg untergekommen und dann mit nach Saarbrücken gereist. Unser Entschluss stand fest. Wir wollten den Speck zur Vernissage gemeinsam mit stinkigem Käse verspeisen. Die Vorbereitungen verliefen hektisch und wie immer wurden wir auf die letzte Minute fertig. Nachdem Julia R. eine hervorragende Rede gehalten und Georg W. die Regenmaschine getestet hatte, feierten wir. Am nächsten Tag bekam ich einen Anruf. Julia R. fragte mich: „Hannah, wo ist denn dein Schinken? Wir wollten den doch eigentlich essen, aber keiner hat den Schinken gesehen!“ Ich dachte mir nicht viel dabei und vermutete, dass der „Schinken“ einfach von jemand anderem gegessen wurde. Ein paar Tage später kam Anna K., die der Feierei zur Ausstellungseröffnung beigewohnt hatte, auf mich zu. Sie müsse mir etwas beichten….Das fand ich sehr merkwürdig, da ich mir beim besten Willen nicht ausmalen konnte, was sie mir wohl beichten könne. Sie fasste sich ein Herz und gestand mir schließlich, dass sie versehentlich den „Schinken“ mitgenommen und am nächstem Morgen in ihrer Handtasche gefunden hatte. Ich freute mich, dass der „Schinken“ – langsam gewöhnte ich mich daran, dass ihn alle „Schinken“ statt „Speck“ nannten – wieder zu verorten war. Wir vereinbarten eine Übergabe. Dazu kam es aus zeitlichen Engpässen leider nicht. Stattdessen wurde der Schinken an Richard E. weitergereicht, welcher den Schinken mit nach Berlin nehmen wollte. Dort sollten wir gemeinsam zu 48h Neukölln ausstellen. Allerdings konnte Richard E. dann noch nicht mitfahren und überreichte den Schinken an Frank J., welcher ebenfalls nach Berlin fuhr. Frank J. stellte nicht nur zu 48h Neukölln mit aus, sondern kam auch am Abend vorher zu meiner Ausstellung/ Veranstaltung BACON BEATS. Ich bat ihn, den Schinken mitzubringen, vergaß ihn allerdings in der Hektik der Vorbereitungen wieder. Die Stimmung war gut und alle hatten einen schönen Abend. Plötzlich kam der Pförtner der UdK vorbei und legte etwas auf den Tisch. „Das wurde für Kunst im Kontext abgegeben. Gerade frisch aus China eingetroffen. Die haben da noch ein Mammut gefunden und dem haben die dieses Stück Schinken hier (deutet auf den Schinken in der Vakuumierfolie) aus den Rippen geschnitten. Gut, ich geh dann wieder.“ Das war ein sehr schönes Wiedersehen. Auch wenn ich nicht ganz verstanden habe, was der Pförtner gesagt hat, so war er doch der Überbringer des Glücks in Plastikfolie. Vor lauter Aufregung und Konzentration während der Rezeptezubereitung, hatte ich den Schinken tatsächlich vergessen. Und das obwohl Frank J. und ich uns mehrfach über ihn unterhalten hatten. Da war er als wieder. Er lag auf dem Tisch in dem kleinen Garten der UdK am Standort Einsteinufer. Er wurde bestaunt, befingert, herumgereicht, gefeiert und schließlich im Container in Sicherheit gebracht. Nachts fing es an zu schütten. Deswegen haben wir uns ebenfalls im Container in Sicherheit gebracht. Außerdem hatte ich Geburtstag. Am nächsten Tag war der Schinken wieder weg. Dafür lag da noch ein Zettel auf welchem Stand Für Kunst im Kontext. Viel Zeit darüber nachzudenken blieb nicht, denn ich hatte noch einen halben Tag, um meinen Beitrag für 48h Neukölln im oMo Artspace aufzubauen. Eine Arbeit bestehend aus Kartoffeln, Erde und opalfarbenleuchtendem Kunstleder mit dem Titel „…die unglaubliche Brechung des Lichts“. Außer dass ich das erste Mal Kartoffeln in eine Installation integriert habe, also ein Lebensmittel, hat das aber nicht viel mit dem Schinken zu tun.

Auf dem Heimweg war der Schinken, der nun zu dem Namen Wanderschinken gekommen war, schon wieder unterwegs. Darüber nachgedacht wo er wohl stecken könnte, habe ich nicht. 

Dann erhielt ich plötzlich Bilder vom Wanderschinken:



Im Dezember 2017, als ich mal wieder ziemlich viel zu hatte, kam Frank J. zu Besuch, um gemeinsam an einem Konzept zu arbeiten. Er überreichte mir ein Paket und ich wusste nicht so recht was ich damit anfangen sollte. Als ich es öffnete sah ich vor allem viele kleine, lange instant Getränke Päckchen, schwarze Ohrenstäbchen und eine Karte mit asiatischen Zeichen. Die Karte umwickelte etwas. Zusammengehalten mit einem Gummi erinnerte mich der Anblick an ein in Butterbrotpapier gewickeltes Pausenbrot. Ich packte es auf. 

Darin: der Wanderschinken.

Die Orte, die der Wanderschinken im Halbjahr von Juni bis Dezember 2017 besucht hat, sind nicht alle absolut nachvollziehbar für mich. Die Gelegentlichen Mails mit Fotos im Anhang und schließlich das Paket lösten in mir immer wieder unerwartete Freude aus, wenn auch ich immer ein bisschen an eine Lösegeldforderung denken musste.

Seit Januar 2018 liegt der Wanderschinken in meinem neuen Atelier in Gent. Ich hoffe, dass er nochmal auf Wanderschaft geht. Ich möchte ihn aber nicht dazu auf Reisen schicken. Ich bevorzuge, dass der wandernde Schinkenspeck aus eigenem Bedürfnis heraus handelt und einfach verschwindet. Wie einen guten Freund werde ich ihn kaum vermissen und nur hin und wieder an ihn denken. Denn ich weiß, wenn er wieder zurückkommt, ist es so, als wären wir immer zusammen gewesen.